Statement Thomas Beckmann

Man sollte doch meinen, dass man bei neuen Bauvorhaben subtil und mit Bedacht vorgeht. Doch weit gefehlt, da soll doch jetzt tatsächlich ein Steinhaufen gebaut werden, der das Zeug hat, die größte Bausünde Wangerooges zu werden. Sie glauben das war‘s jetzt, mitnichten. Dieses „tolle“ Hotel soll an genau der Stelle entstehen, an der jetzt Gemeinde- und Kurverwaltung-, der kleine Kursaal- und der Leseraum mit Meerblick stehen. Die vorgenannten Gemeindeeinrichtungen sollen an einer Stelle neu errichtet werden, dessen Lage man als Katzentisch der Gemeindeanwesen bezeichnen darf. Das letzte Tafelsilber soll geopfert werden.

Warum soll der Kurgast zukünftig seinen Kurbeitrag nicht mehr an der Promenade entrichten dürfen?
Warum kann er sich bei schlechtem Wetter nicht mehr im Leseraum mit tollem Meerblick aufhalten?
Warum wird es den kleinen Kursaal an dieser attraktiven Stelle nicht mehr geben?
Wieso wird das – in der Lage – alles geopfert, um es nur noch vergleichsweise wenigen Nutzern zugänglich zu machen?

Ist Geld wirklich alles?

Können die verantwortlichen Entscheider noch in den Spiegel schauen?

Hier soll die sprichwörtlich letzte Kuh verkauft werden, um eine Melkmaschine anzuschaffen. >>Melkmaschine<< Sie verstehen, das kann man fast wörtlich nehmen. Und wäre es nicht zu traurig, man müsste lauthals lachen. Es gibt schon einige Hotels auf der Insel und auch Häuser, in denen Seminare u. ä. abgehalten werden können. Entschuldigung, haben die alles falsch gemacht und sind deshalb kaum ausgebucht. Mit der Bahn hätte man schon über ein drittes Schiff gesprochen. Manche machen den zweiten vor dem ersten Schritt. Nun wissen wir, dass man auch mit dem dritten Schritt beginnen kann. Warum hat man nicht ernsthaft daran gedacht, wenn schon Beherbergungsbetrieb (welcher Art auch immer), die bisherigen Gemeindeeinrichtungen in ein solches Projekt mit zu integrieren? Offensichtlich ist man ja noch in die Gegenrichtung gelaufen. Indem man diese Option schon im Vorfeld explizit ausgeschlossen hat. Nun hat man dieses Instrument dazu benutzt, den Anbieter zur Präsentation seiner Vorstellungen nicht zuzulassen, der die Integration der Gemeindeeinrichtungen in seine Pläne implementiert hat. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Wurde da etwa – zeitlich reichlich vorher – via Gemeindebeschluss zementiert, dass die Gemeinde-einrichtungen auf jeden Fall von der Promenade weg, in Richtung Süden verlegt werden sollen? Natürlich bringt der Verkauf des Gemeindeeigentums am meisten Geld in die Kasse – genau 1x.

Die Bürgerinitiative fordert zurecht, dass die Gemeinde das was es jetzt an begehbaren Angeboten für Kurgäste UND Bürger an der Promenade gibt, nach einem Um- bzw. Neubau bitteschön auch dort verbleibt. Und sehr gerne dürfen auch die behördlichen Räumlichkeiten, an alter Stelle, in neuem Glanz erstrahlen.

Architektonisch fällt mir nur ein – geht’s auch eine Nummer bescheidener und realistischer. Fest steht, dass es zahlreiche Bürger gibt, die ähnlich wie die Mitglieder der Bürgerinitiative denken.

Auf eines sei an der Stelle außerdem noch hingewiesen, der Rat einer Gemeinde hat seine Bürger in adäquater Weise zu vertreten. Das hat etwas mit unserer demokratischen Grundordnung zu tun. Eine Mehrheit der Ratsmitglieder lehnt eine verbindliche Bürgerbefragung in der Sache kategorisch ab. Es wurde doch tatsächlich schon die Meinung vertreten, dass “Der Bürger“ das Hotel wolle, weil die Absicht einer Hotelerrichtung schon vor der Kommunalwahl 2016 bekannt gewesen sei. Mit dem Standpunkt könnten die Entscheider doch entspannt einer Bürgerbefragung entgegensehen. Bei einem Treffen von Ratsmitgliedern und der Bürgerinitiative wurde Anfang des Jahres u. a. sinngemäß angemerkt: >>wenn wir das mit einer Bürgerbefragung einmal anfangen, wo soll denn das hinführen<<. Wir reden hier aber nicht über die Anschaffung von Bleistiften, sondern über eine bauliche Veränderung an der Promenade, deren Tragweite einer Schwerverletzung Wangerooges gleichkommt. Nur zur Kenntnis, unter einer Schwerverletzung versteht man juristisch, dass bleibende Schäden zurückbleiben.

Bisweilen hört man von der Gegenseite auch Lippenbekenntnisse wie: >>naja, da wurden ja auch Fehler in der Vergangenheit gemacht..<<. Ich betrachte es als zynisch, wenn man immer nur bereit ist, Fehler in der Vergangenheit einzuräumen, um diese dann als ursächlich für den nächsten Fehler heranzuziehen. Aber es ist natürlich bequem, Auswirkungen von Fehlern in die Zukunft zu verlegen – schließlich können sich die zukünftigen Entscheider dann wieder auf die Vergangenheit beziehen, um neue, >>tolle<< Entscheidungen zu treffen. 

%d Bloggern gefällt das: